
Was sich hinter den THL Tagen verbirgt:
Die THL-Tage sind ein alljährliches Zusammentreffen von Feuerwehren unterschiedlicher Nationalität, um die strukturierte Rettung von Personen nach Verkehrsunfällen auf professionellstem Niveau zu trainieren, Wissen auszutauschen und um Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen.
Warum THL wichtig ist:
Fahrzeugtechnologien und die präklinische Versorgung von Unfallpatienten haben sich in den letzten Jahren weiter rasant verändert. Fahrzeuge müssen immer stabiler und sicherer gebaut werden, doch die Unfallmedizin verlangt eine immer schnellere und dennoch schonende Rettung und Transport von Verletzten in eine Klinik. Das Aufgabenfeld wird für die Feuerwehr somit immer komplexer und schnelllebiger.
Veranstaltungen wie die THL-Tage helfen uns mit den neuen Technologien Schritt zu halten und neue Erkenntnisse weiterzugeben. Nur eine strukturierte Arbeitsweise schafft ein Umfeld, in dem man diesen Anforderungen gerecht werden kann. Diese Arbeitsweise von internationalen und erfahrenen Trainern bewerten zu lassen, bietet die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.
Wer daran teilnimmt:
Es kann weltweit jedes Team teilnehmen, sofern es in ihrem Zuständigkeitsbereich für die technische Menschenrettung verantwortlich ist. Bisher stellten die Teams immer einen Mix aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Luxemburg und England dar. Einige österreichische Teams haben bereits selber Erfahrung auf internationalem Niveau.
Was bringen sie Tirol:
Jeder kann von jedem etwas Lernen, wir sehen weit über unsere Grenzen hinaus und können somit unseren Wissensstand und verschiedenste Techniken erlernen bzw. beobachten. Wünschenswert wäre es wenn sich natürlich zusätzliche Teams in Tirol motivieren liesen und somit die Schlagkraft verstärken.
Was ist THL bzw. TRT?
Seit einigen Jahren gibt es Veranstaltungen, die sich speziell mit dem Thema THL oderauch TRT beschäftigen. THL steht für TECHNISCHE HILFELEISTUNG. TRT kommt aus dem englischen und bedeutet TECHNICAL RESCUE TEAM.(Technical-Rescue-Team Inzing)2010 hielt die Feuerwehr Zirl in Tirol erstmals in Österreich eine derartige Veranstaltung ab. Bereits damals auf den Zug aufgesprungen ist die Feuerwehr Inzing.
THL ist eine Ausbildungsveranstaltung mit dem Schwerpunkt der patientengerechten Rettung von Personen aus verunfallten Fahrzeugen mit wenig Personal und genauer Aufgabenverteilung. Ziel ist natürlich der gegenseitige Lerneffekt und der Erfahrungsaustausch der Feuerwehren unter sich. Auch wenn das Ganze unter Beobachtung von Schiedsrichtern stattfindet, ist es kein Bewerb im herkömmlichen Sinn, sondern es steht einzig und allein das Lernen an oberster Stelle.
Was passiert bei dieser Veranstaltung?
Ein Verkehrsunfall wird mit einem oder zwei Fahrzeugen und weiteren Hindernissen dargestellt. Eine Person wird als Verletzter ins Fahrzeug gelegt. Wie der Unfall bzw. die Fahrzeuge positioniert werden ist einzig und allein der Kreativität der durchführenden Feuerwehr überlassen. Die Autos können dabei auf den Rädern stehen, auf der Seite oder auch am Dach liegen. Dazugestellte Hindernisse wie Elektrokästen, Bäume oder Eisenstangen erschweren die Rettung und dürfen nicht bei Seite geräumt werden.
Das Team, bestehend aus sechs Personen, hat nun 20 Minuten Zeit die verletzte Person so schonend wie möglich aus dem Unfallfahrzeug zu befreien. Dabei sind einsatztaktischen Maßnahmen zu beachten. Der Gesundheitszustand des Unfallopfers bleibt stabil wenn der innere Retter die entsprechenden Maßnahmen durchführt.

Woraus besteht ein Team?
Ein Team besteht aus sechs Personen. Diese müssen Mitglieder einer Feuerwehr oder anderen anerkannten Rettungsorganisation sein und sollen im Bereich der Unfallrettung bereits Erfahrungen haben.
Die Funktionen im Einzelnen:
Der Gruppenkommandant (IC, Captain):
Er führt die Erkundung durch, weist das Team auf mögliche Gefahren hin und legt gemeinsam mit dem Werkzeug- oder Rettungstrupp (Tool) den Rettungsweg fest. Er überwacht die gesamte Übung und steht in permanentem Kontakt mit dem inneren Retter (Medic). Er ist auch Ansprechpartner für die Ausbilder/Schiedsrichter.

Der innere Retter (Medic):
Er ist für die Erhaltung der Vitalfunktionen des Opfers und dessen Betreuung zuständig. Er befindet sich vorzugsweise im Fahrzeug bei der verletzten Person, nachdem das Fahrzeug gesichert wurde. Dabei wird er nach Bedarf von einem Sicherungs- oder Werkzeugmann unterstützt. Er gibt laufend den Gesundheitszustand des Verletzten an den Gruppenkommandanten durch. Bei der Rettung des Verletzten aus dem Fahrzeug übernimmt der innere Retter das Kommando.
Die medizinischen Maßnahmen beschränken sich auf folgende Punkte:
• Erfassen der Vitalfunktionen (A-B-C-D-E-Schema)
• Sicherung der Atemwege
• HWS-Stabilisierung (mit oder ohne Hilfsmittel)
• Schonendes möglichst achsengerechtes Retten aus dem Fahrzeug
• Je nach Kompetenz des inneren Retters sind zusätzlich Maßnahmen
wünschenswert und erlaubt z.B.: Sauerstoffgabe, Stifneck (HWS-Schiene), …

Der Sicherungstrupp (Safety):
Dieser Trupp besteht aus zwei Personen. Sie sind grundsätzlich für die Sicherung und Stabilisierung des Unfallszenarios verantwortlich. Alle Fahrzeuge und Hindernisse sind so zu sichern und zu stabilisieren, dass der Patient und das übrige Einsatzteam nicht gefährdet werden. Der Trupp überprüft laufend die Sicherungsmaßnahmen und unterstützt die weiteren Teammitglieder nach Bedarf. Bei Schneid- und Spreizarbeiten sorgen sie dafür, dass die Erschütterungen möglichst gering gehalten werden.

Der Werkzeug- oder Rettungstrupp (Tool):
Dieser Trupp besteht ebenfalls aus zwei Personen und bedient die hydraulischen Rettungsgeräte bzw. alle zur Rettungsöffnung erforderlichen Geräte. Die Schneid- und Spreizarbeiten werden also vom Werkzeugtrupp durchgeführt. Der Trupp steht in permanentem Kontakt zum inneren Retter und gibt vor den durchgeführten Arbeiten eindeutige Kommandos an das gesamte Team. Diese können z. B. lauten: „Achtung Glas Fahrertüre“ wenn die Scheibe der Fahrertür zerstört wird, oder „Achtung schneide A-Säule Fahrerseite“ wenn diese durchtrennt wird. Somit ist jedes Teammitglied angehalten zu diesem Zeitpunkt besonders vorsichtig zu sein. Der Trupp unterstützt auch die übrigen Teammitglieder bei anliegenden Tätigkeiten.
Aus den genannten Aufgabenbereichen ergibt sich somit folgender Ablauf (ohne Gewähr):
1. Erkundung durch den Gruppenkommandanten
2. Fahrzeug sichern und stabilisieren
3. Erstöffnung für inneren Retter schaffen
4. Glasmanagement durchführen
5. Rettungsöffnung schaffen
6. Person so schonend wie möglich aus dem Fahrzeug befreien.

Besonderer Wert wird dabei auf eine patienten- und achsengerechte Rettung gelegt.

Welche Schutzausrüstung ist erforderlich?
Eine vollständige persönliche Schutzausrüstung ist zu tragen. Weiters ist auch ein entsprechender Augenschutz (Schutzbrille) zu verwenden. Das Helmvisier bei gängigen Feuerwehrhelmen zählt nicht als Augenschutz sondern ist nur als Gesichtsschutz verwendbar.
Die Verwendung von geeigneten Schutzbrillen ist daher zwingend vorgeschrieben. Da auch das Glasmanagement gegebenenfalls durchzuführen sein wird, ist auch einen Mundschutz (mind. Klasse: FFP1) Pflicht. Schnittfeste Handschuhe und darunter Einmalhandschuhe.
Wie lange dauert ein Szenario?
Ein Szenario (Standard-Pit) dauert 20 Minuten.
Diese Zeit ergibt sich aus der „Golden Hour of Shock“. Dabei rechnet man im Einsatzfall mit 20 Minuten für die Alarmierung und Anfahrt der Einsatzkräfte, weitere 20 Minuten für die Befreiung und Rettung aus dem Unfallfahrzeug und wiederum 20 Minuten für den Transport des Verletzten in das Krankenhaus. In Summe 1 Stunde innerhalb der Patient die beste vollkommenste Heilungschance ohne Folgeschäden hat.
Ausrüstung am Veranstaltungsplatz?
Die technische Ausrüstung wird grundsätzlich vom Veranstalter gestellt und besteht im Wesentlichen aus Ausrüstungsgegenständen die in jedem Rüst-Lösch-Fahrzeug enthalten sind. Weiteres stehen Werkzeuge der Firma Weber Hydraulik zur Verfügung. Es steht jedoch jedem Team frei ihre eigene Ausrüstung zu verwenden. Diese Ausrüstung muss den gängigen Normen und Sicherheitsvorschriften entsprechen und vom Veranstalter bzw. Hauptschiedsrichter vor Veranstaltungsbeginn freigegeben werden.
Wer kann mitmachen?
Jede Feuerwehr oder Rettungsorganisation kann mitmachen da sie ja grundsätzlich nach denselben Regeln arbeiten. Doch jeder hat seine speziellen Tipps und Tricks für den Einsatz. Und genau darum geht es letztlich. Jeder der Teilnehmer gibt sein Wissen und seine Erfahrungen weiter und so profitiert wiederum jeder Teilnehmer vom Anderen.
